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Tesla Model S: Testfahrt mit Kick

Der Elektrosportwagen Tesla S begeistert, er hat aber auch noch Macken und Nachteile. So ist er zwar ein echter, moderner Sportwagen, aber als Familienauto eher untauglich. Dies ist der Bericht von einer Testfahrt in Zürich, zu der mich mein Freund Beat eingeladen hat. Die wichtigsten Erkenntnisse sind dokumentiert in Text, Bildern und Videos.

Thomas neben dem Tesla S
Schön, stattlich, elegant – der Tesla Model S ist ein attraktiver Blickfang.

Tesla fahren ist zeitgemäss, vernünftig und verrückt zugleich

Selber wäre ich ja gar nie auf die Idee gekommen: eine Testfahrt mit einem Auto zu unternehmen, das vier bis fünf mal so viel kostet, wie unser aktueller Familienkombi*. Spass gemacht hat es trotzdem – und wie!

Zeitgemäss am Tesla S ist das Gesamtkonzept als reines Elektroauto, das nicht nur angenehm, sondern sogar sportlich unterwegs ist. Vernünftig ist es, beim Fahren mit einem stattlichen Sportwagen weder Abgase, noch Lärm in die Umwelt zu blasen. Eher verrückt ist der gar nicht familienfreundliche Preis in der Region von 86’000 bis 115’000 Schweizer Franken, der allerdings zur Tatsache passt, dass auch die Rücksitze nicht wirklich familienfreundlich sind. Grössere Kinder, Grosseltern und Paten sollten jedenfalls nur für kurze Strecken mitgeführt werden. An der Grenze zu verrückt ist auch das Spurtpotenzial der getesteten Performance-Version: es droht, das Budget durch Bussen zu strapazieren. 4,4 Sekunden von 0 auf 100 sind schon arg wenig und 210 km/h Höchstgeschwindigkeit für die Schweiz zu viel.

Kein 7-Sitzer – eher ein 2+5-Sitzer

Unter der grossen Heckklappe des Tesla Model S hat es wirklich viel Platz – bei umgeklappter Rückbank finden gemäss Tesla-Beraterin locker ein Surfbrett und ein 50-Zoll-Fernseher gleichzeitig Platz. Dazu kommt ein überraschend geräumiger Stauraum unter der Frontklappe – da wo bei den meisten Autos der Motor ist. So weit so gut, für den Ikea-Einkauf taugt das Raumangebot. Die Sitze hinten aber, die geben Anlass zu Kritik. So lassen sich die Kopfstützen der Hinterbänkler nicht verstellen und sind für grosse Leute gefährlich weit unten (ich bin 183 cm lang). Schade, denn für den Kopf wäre unter dem Panoramaglasdach genügend Platz vorhanden. Im Kofferraum lassen sich zwei Notsitze für Kids bis 35 kg aus dem Boden klappen. Sehr raffiniert, aber auch nur beschränkt einsatzfähig. So ist unsere neunjährige Tochter dafür bereits zu gross und zu schwer.

Tesla Model S - Rücksitze
Auf der Tesla-Website sehen die Kopfstützen hinten verstellbar aus, beim getesteten Wagen nicht.

 

Cockpit mit Lenkrad und riesigem Bildschirm
Das Interieur ist edel und hat Stil – wenn man grosse Bildschirme mag.

Ruhe beim Fahren – nur ein Rauschen begleitet den Zwischenspurt

Während der Fahrt geniesst man im Model S die entspannte, ruhige Atmosphäre, lauscht den Hinweisen der Tesla-Mitarbeiterin, welche die Fahrt begleitet, und hört gleichzeitig Radio. Gut, Ruhe bieten andere Oberklasse-Autos auch. Im Elektrosportler geniesst man zusätzlich das gute Gewissen, auch die Umwelt nicht mit übermässigem Lärm zu belasten. Ausser dem Abrollgeräusch der Reifen hört man vom Tesla kaum etwas. Vor allem die Beschleunigung verläuft akustisch extrem dezent – umso überraschender ist der heftige Druck, der uns in die Sportsitze presst, als wir auf der Autobahn kurz das Tempo vermindern, um den Digitaltacho anschliessend von 70 auf gut 120 km/h hochzujagen. Ob ich das Pedal ganz durchgedrückt habe, kann ich nicht beschwören; zu überrascht war ich aufgrund der raketenhaften Leistungsentfaltung. Im Video festgehalten ist ein Zwischenspurt abseits der Autobahn – auch da ist die Freude an den G-Kräften nicht zu überhören.

Der Tesla Model S geht ab wie eine Rakete – die Beschleunigung von 26 auf 58 dauert genau nullkommanix.

Die Bedienung: digitalisiert und personalisierbar

Der grosse Bildschirm ersetzt fast alle Knöpfe und Regler, die sonst das Armaturenbrett füllen – zum Entfernen der Fingerabdrücke liefert Tesla eine Anzahl Reinigungstücher mit. Weil trotz der grossen Symbole die Bedienung vom Fahren ablenken kann, gibt es am Lenkrad persönlich konfigurierbare Rädchen und Tasten, mit denen man die wichtigsten Funktionen steuern kann. Für verschiedene Fahrer sind individuelle Einstellungen gespeichert und über den Namen abrufbar. Vorteil der digitalisierten Bedienung: Updates werden auf Wunsch über Nacht eingespielt. Kritikpunkte im Bedienkonzept: Der Automatik-Wählhebel, rechts hinter dem Lenkrad versteckt, und der Blinker links unter dem Tempomat-Hebel sind für Europäer gewöhnungsbedürftig.

Fazit zur Testfahrt mit dem Tesla Model S

Die Richtung stimmt, Tesla ist gut unterwegs, muss aber bei vielen Details und bei der nachhaltigen Familientauglichkeit noch nachbessern. Wer schon einmal im Tunnel neben einem Ferrari fuhr, oder vor dem Zürcher Tibits die Aston Martin & Co. in Zeitlupe vorbeiröhren hörte, freut sich auf die Ära der Elektrosportler.

Hoffnung ist erlaubt: Bis in fünf Jahren wollen die Amerikaner ein weiteres Modell lancieren, mit ähnlichen Eigenschaften, aber zum halben Preis. Vielleicht machen wir dann wieder eine Probefahrt – mit ernsthafteren Absichten.

Beat zeigt mit dem Daumen nach oben.
Für die Testfahrt geht mein herzlicher Dank an Beat, der die Geschichte von Tesla schon länger verfolgt und sich den Termin gesichert hat.

Na, Details oder Testfahrt gefällig?

Weitere Informationen und Anmeldung zur Testfahrt findest du bei Tesla – und ob der Bericht Lust gemacht hat, oder noch Fehler enthält, erfahren wir gerne via Kommentare! Oder auch, wie unser Trailer auf YouTube gefällt. Schon geguckt?


*Thomas fährt mit seiner Familie einen Skoda Octavia Kombi mit 1.4 l Turbomotörchen. Der braucht im Schweizer Alltag knapp 7 Liter Super auf 100 km, quer durch Deutschland bei zügigem Autobahntempo rund 8,8 l/100 km.

Beat fährt seit Anfang Jahr einen Toyota Auris Hybrid, der gemäss EU-Datenblatt mit 3,5 l/100 km auskommen sollte, sich in der Praxis aber einen Liter mehr genehmigt. Für die Bündner Berge ist der 1,5-Liter-Motor eher zu schwach.